{"id":652,"date":"2016-10-27T17:33:05","date_gmt":"2016-10-27T15:33:05","guid":{"rendered":"http:\/\/richardparker.ch\/?p=652"},"modified":"2016-11-08T20:17:11","modified_gmt":"2016-11-08T19:17:11","slug":"die-moewe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/richardparker.ch\/?p=652","title":{"rendered":"Die M\u00f6we"},"content":{"rendered":"<p>Viele Segler auf Langfahrt berichten immer wieder vom Versagen der Technik, Bruch, Reparaturen, Ausf\u00e4llen, Fehlfunktionen und im Hafen treffen wir immer wieder Gleichgesinnte, die Seiten f\u00fcllende Listen von zu reparierenden oder zu optimierenden Teilen ihres Bootes f\u00fchren und Tag f\u00fcr Tag die Liste abarbeiten, w\u00e4hrend immer fort neue Pendenzen dazukommen. Segler haben den Spruch gepr\u00e4gt \u00abLangfahrt ist, an den sch\u00f6nsten Orten der Welt das Boot zu reparieren\u00bb.<!--more--><\/p>\n<p>Abends, wenn sich die Seglergemeinde bei Sonnenuntergang zum Bier trifft, sei es in der Hafenkneippe oder an Bord jenes Seglers, mit der st\u00e4rksten K\u00fchlbox, werden Geschichten ausgetauscht. Man erz\u00e4hlt von den gr\u00f6ssten Wellen, dem st\u00e4rksten Wind, dem teuersten Hafen, dem einsamsten Sandstrand und von der m\u00fchseligsten Reparatur. Und da h\u00f6ren wir immer wieder Geschichten von kaputten Getrieben, undichten Zylinderk\u00f6pfen, ausgerissenen Holepunkt-Schienen, gebrochenen Ruderstangen, verlorenen Antriebsschrauben, lecke Hydrauliksteuerungen, Kollisionen, gerissenen Segel und vielem mehr. Und wir erz\u00e4hlen von ein paar Tropfen Wasser in der Bilge und einer Schrankt\u00fcr, welche sich nicht mehr ganz schliessen l\u00e4sst und ernten daf\u00fcr meist, wen erstaunt es, wenig Mitgef\u00fchl und Zuspruch.<\/p>\n<p>Wir haben Gl\u00fcck und sind dankbar, dass wir bis jetzt kaum Sorgen haben. Wir sind auch dankbar, dass wir die M\u00f6glichkeit haben, ein eher \u00abjunges\u00bb Boot zu segeln, gebaut von einer Werft mit einem exzellenten Ruf. Und wir sind froh, dass wir drei Jahre Zeit hatten, Kinderkrankheiten auszumerzen.<br \/>\nWir loben nicht den Tag vor dem Abend, aber wir sind dankbar und hoffen, dass wir weiterhin wenig zu diesen Geschichten beisteuern k\u00f6nnen. Eine Geschichte wollen wir aber heute doch erz\u00e4hlen:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Die M\u00f6we<\/strong><\/p>\n<p>Von weitem sehen wir sie, die M\u00f6we. Unter all den Masten der Segelboote im Hafen hat sich die M\u00f6we ausgerechnet unseren Mast als Ruheplatz ausgesucht. Dort oben, wo all die feinen spitzen Antennen unsere Signale in den \u00c4ther tragen sollen, dort oben hat sie sich hingesetzt. Und zwar mitten auf jenes Instrument, dass in seiner filigranen Art den leisesten Windhauch zu sp\u00fcren vermag und uns dessen Richtung und St\u00e4rke f\u00fcr die korrekte Trimmung der Segel anzeigen soll. Aber eben auch jenes einzige Instrument, das an der Mastspitze in waagerechter Art angebracht ist und sich damit in der Logik dieser M\u00f6we als zweckm\u00e4ssiger Ruheplatz anerbietet.<\/p>\n<p>Von der anderen Seite des Hafenbeckens schauen wir zu. Aus l\u00e4hmender Distanz sehen wir, wie das Unheil f\u00fcr den Windmesser mit jedem Augenblick des M\u00f6wens Rast seinen Lauf nimmt. Es scheint, als ob der Windmesser mit Drehungen nach links und rechts die M\u00f6we abzusch\u00fctteln versucht, doch diese gleich geschickt die Drehungen aus, trippelt von einem Fuss auf den anderen, verlagert das Gewicht mal mehr zur Spitze des Windmessers und mal mehr zum Ende mit der kleinen Fahne.<\/p>\n<p>Rufen, schreien und wildes Gestikulieren, nichts mag die M\u00f6we in ihrer Rast st\u00f6ren. Ach, was w\u00fcrden wir geben f\u00fcr eine Steinschleuder, eine Luftpistole oder manch anderes kriegerisches Material. Hektisch rennen wir los, in der Hoffnung, unser Boot zu erreichen und am Mast zu r\u00fctteln, bevor der Windmesser seinen hoffnungslosen Kampf verliert.<\/p>\n<p>Da, ein Hoffnungsschimmer, der weisse Ritter naht, ein Motorboot. In rascher Fahrt f\u00e4hrt es ins Hafenbecken und wirft eine Welle, welche unser Boot vom Kiel bis in die Mastspitze durchsch\u00fcttelt. Selbst quer durch das Hafenbecken, meinen wir das \u00c4chzen und St\u00f6hnen unserer Festmacher Leinen, welche das harte Einrucken unseres Bootes abzufedern haben, h\u00f6ren zu k\u00f6nnen.<br \/>\nNur die M\u00f6we l\u00e4sst sich nicht beirren. \u00dcberlegen gleicht sie auch diese Schwankungen aus, ja, nicht einmal die Fl\u00fcgel \u00f6ffnen sie, um sich zu stabilisieren. Sie geniesst die Herausforderung ihres Rastplatzes und nimmt spielerisch jede Bewegung an. Und der Windmesser biegt sich immer mehr und mehr.<\/p>\n<p>\u00abM\u00f6we, wunderliches Tier, willst uns nicht verlassen?\u00bb Unser Ausruf auf den letzten Metern zur\u00fcck zum Boot scheint sie aber doch wahrzunehmen \u2013 breitet ihre Fl\u00fcgel aus und fliegt weg, einfach so, noch bevor wir, nun endlich wieder auf dem Boot, am Mast r\u00fcttelnd sie verscheuchen konnten.<br \/>\nF\u00fcr unseren Windmesser kommt aber die Rettung zu sp\u00e4t, weder Richtung noch St\u00e4rke des Windes vermag er mehr anzuzeigen. In einem letzten Aufb\u00e4umen zeigt er nochmals jegliche denkbaren Richtungen an, signalisiert Sturm und Flaute zugleich, entscheidet sich zuletzt f\u00fcr die Richtung 0\u00b0 sowie die St\u00e4rke 0 Knoten &#8211; und hat sich seither nie wieder bewegt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ob die Herstellerfirma uns den Windmesser wohl auf Garantie ersetzt?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Segler auf Langfahrt berichten immer wieder vom Versagen der Technik, Bruch, Reparaturen, Ausf\u00e4llen, Fehlfunktionen und im Hafen treffen wir immer wieder Gleichgesinnte, die Seiten f\u00fcllende Listen von zu reparierenden oder zu optimierenden Teilen ihres Bootes f\u00fchren und Tag f\u00fcr Tag die Liste abarbeiten, w\u00e4hrend immer fort neue Pendenzen dazukommen. 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