{"id":388,"date":"2016-06-07T10:52:30","date_gmt":"2016-06-07T08:52:30","guid":{"rendered":"http:\/\/richardparker.ch\/?p=388"},"modified":"2016-06-07T11:03:53","modified_gmt":"2016-06-07T09:03:53","slug":"willi-legt-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/richardparker.ch\/?p=388","title":{"rendered":"Willi legt ab"},"content":{"rendered":"<p>Willi ist kein Holl\u00e4nder. Willi hat viel gesehen, viel gesegelt, fast immer alleine auf einer 38 Fuss Segelyacht. Er war in Norwegen, in England und gar einmal in der Bretagne. Und immer wieder zieht es ihn zur\u00fcck in die Niederlande, ans Ijsselmeer.<\/p>\n<p><!--more-->Seit zwei Tagen liegt Willi zuinnerst in einem P\u00e4ckchen von f\u00fcnf Segelyachten l\u00e4ngsseits am Steg in Enkhuizen. Der Hafen ist gut belegt. Vor und hinter Willi liegen andere Segel- und Motorboote, auch jeweils im P\u00e4ckchen. Mindestens immer vier oder mehr Boote in einem P\u00e4ckchen. Dicht an dicht.<\/p>\n<p>Willi hatte gestern neue Segel erhalten und will diese heute ausprobieren, es weht ein leichter Segelwind aus n\u00f6rdlicher Richtung. Willi kennt und pflegt die Hafenetikette und hat daher bereits gestern Abend alle P\u00e4ckchenlieger informiert, dass er gerne um 10:00 Uhr ablegen w\u00fcrde. Der neben ihm liegende Schweizer, hat sofort \u00abkein Problem\u00bb gesagt. Die restlichen Boote, alles Holl\u00e4nder, waren weniger begeistert, da 10:00 Uhr mitten in die Fr\u00fchst\u00fcck Zeit f\u00e4llt. Aber, wenn der innerste P\u00e4ckchenlieger weg will, m\u00fcssen die anderen halt auch ablegen, so dachten wir zumindest.<\/p>\n<p>Seit neun Uhr ist Willi bereit zum Ablegen, die Schweizer Yacht bereits seit F\u00fcnf vor Neun. Auf die Schweizer ist Verlass, denkt Willi, und die Holl\u00e4nder, die schlafen zwar alle noch, aber es ist ja noch eine Stunde bis Zehn. Als er so seinen Blick \u00fcber das P\u00e4ckchen schweifen l\u00e4sst, bemerkt er, dass in der Nacht noch eine weitere Yacht dazugekommen ist. Sofort macht er sich auf, \u00fcber all die Yachten zu steigen, sich von Relings Draht zum n\u00e4chsten angelnd, was ihm in seinem Alter nicht mehr ganz so einfach f\u00e4llt, erschwerend der Ros\u00e9, mit welchem sich Willi f\u00fcr die Ausfahrt bereits gest\u00e4rkt hat, um die neue Yacht auch noch zu informieren, dass er gerne um Zehn auslaufen m\u00f6chte. Den schlaftrunkenen Blick des Skippers deutet Willi dahingehend, dass auch dieser um Zehn f\u00fcr Willi Platz machen wird.<\/p>\n<p>Als Willi um Zehn den Motor startet, beginnt auf den holl\u00e4ndischen Booten ein grosses Palaver. Was genau die Skipper da diskutieren, versteht Willi nicht, der Motor der Schweizer Yacht, welcher seit F\u00fcnf vor Zehn l\u00e4uft, \u00fcbert\u00f6nt die Diskussion. Aber, offensichtlich haben sie einen Sprecher bestimmt, den dieser steigt von der einen Yacht zur anderen, recht beh\u00e4nden, trotz dem Pyjama, welches er noch tr\u00e4gt, zu Willi r\u00fcber und schl\u00e4gt diesem vor, dass die Schweizer Yacht, sich doch von Willi\u2019s Yacht abbinden soll, so dass dann das ganze restliche P\u00e4ckchen, jetzt ohne Willi, einfach ein paar Meter zur\u00fccksetzen kann, so dass Willi in der entstehenden L\u00fccke, r\u00fcckw\u00e4rts gegen den Wind, hinausfahren kann. Willi ist wenig begeistert, aber seine Seglerehre l\u00e4sst nicht zu, dass er sich und dem holl\u00e4ndischen P\u00e4ckchensprecher eingesteht, dass er sich dieses doch etwas abenteuerlich anmutende Man\u00f6ver nicht zutraut. Insbesondere die L\u00fccke, welche da entstehen sollte, macht ihm etwas Sorgen. Im Moment sind die P\u00e4ckchen recht nahe beisammen, zwei Meter Abstand vielleicht. Wenn nun das, nennen wir es einmal Schweizerp\u00e4ckchen, die zwei Meter bis zum n\u00e4chsten P\u00e4ckchen zur\u00fccksetzt, so ergibt das auf der anderen Seite eine L\u00fccke von 4 Metern, was ziemlich genau der breite seiner Yacht entspricht. Aber wie er diese dann noch um neunzig Grad drehen soll, das ist ihm schleierhaft. Aber der holl\u00e4ndische P\u00e4ckchensprecher hat so zuversichtlich get\u00f6nt und angedeutet, dass dieses Man\u00f6ver gang und g\u00e4be sei in Holland und nur die weniger erfahrenen Skipper dazu das Bugstrahlruder benutzen w\u00fcrden. Das hat Willi etwas beruhigt. Nicht dass er ein Bugstrahlruder h\u00e4tte, nein, aber er ist ja auch kein weniger erfahrener Skipper. Und den etwas auflandigen Wind, den sp\u00fcrt man ja kaum.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit haben die anderen holl\u00e4ndischen Skipper versucht, dem Schweizer das Man\u00f6ver klar zu machen. Den eigentlich wird es sein Man\u00f6ver sein. Sie, die Holl\u00e4nder h\u00e4ngen einfach am Schweizer Boot, mehr auch nicht. Der Schweizer soll doch etwas zur\u00fccksetzen, dabei aber aufpassen, dass er die grosse Motoryacht, mit dem \u00fcberh\u00e4ngenden Heck, nicht streift, den Bug mitsamt den vier anderen Yachten gegen den Wind etwas drehen, um so Willi die Ausfahrt zu erm\u00f6glichen. Nein, eine Landleine dazu brauche er nicht, das w\u00fcrde schon gehen, meint der Skipper auf der \u00fcbern\u00e4chsten Yacht ermutigend.<\/p>\n<p>So beginnt die eigentliche Geschichte. Willi l\u00f6st alle Leinen, f\u00e4hrt etwas r\u00fcckw\u00e4rts, der Schweizer auch, doch eine seiner Leinen hat sich auf dem Deck von Willi verhakt. Willi turnt mit der Geschmeidigkeit von ein paar Gl\u00e4schen Ros\u00e9 nach vorne, die Leine zu l\u00f6sen, l\u00e4sst aber dabei den Motor r\u00fcckw\u00e4rts weiterlaufen. Dies erschreckt die Skipper des hinter Willi liegenden P\u00e4ckchens, welche, bewaffnet mit allen verf\u00fcgbaren Fendern nun pl\u00f6tzlich vollz\u00e4hlig am Bug stehen und Willis Yacht abzuhalten versuchen. Willi rennt wieder nach hinten. Derweilen k\u00e4mpft der Schweizer mit der Motoryacht, deren Heck bedrohlich nahekommend. Mittlerweilen ist eine Reisegruppe auf dem Steg auf Willi aufmerksam geworden und die Fotokameras klicken im Rhythmus mit dem abrupten vorw\u00e4rts und r\u00fcckw\u00e4rts Gas geben von Willi. Von den Nachbarsyachten schallen erste Unmutsbekundungen quer \u00fcber das Hafenbecken. Einzelne Stimmen meinen gar, dass es zu wenig Platz h\u00e4tte und das Schweizer P\u00e4ckchen soll doch vollst\u00e4ndig ablegen. Nur die holl\u00e4ndischen Skipper haben die Ruhe weg. Der eine streicht sogar noch Fr\u00fchst\u00fcckbr\u00f6tchen f\u00fcr seine Kinder, w\u00e4hrend er mit dem Motor das Schweizerp\u00e4ckchen etwas beim Platzmachen unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Unter lautem Fluchen von Willi, gequetschten Fendern, aufmunternden Zurufen der Reisegruppe und weniger aufmunternden Zurufen der Nachbarslieger, schafft es aber Willi dennoch irgendwie aus der L\u00fccke zu steuern. Die Situation entspannt sich wieder, der Schweizer und sein P\u00e4ckchen treiben, durch den Wind unterst\u00fctzt, langsam wieder l\u00e4ngsseits des Stegs, Willi winkt ein letztes Mal und, man meint, doch etwas Stolz in seinen Gesichtsz\u00fcgen erkennen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dreissig Minuten sp\u00e4ter legten die Holl\u00e4nder dann auch ab und wir folgten ihnen nach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Willi ist kein Holl\u00e4nder. Willi hat viel gesehen, viel gesegelt, fast immer alleine auf einer 38 Fuss Segelyacht. Er war in Norwegen, in England und gar einmal in der Bretagne. Und immer wieder zieht es ihn zur\u00fcck in die Niederlande, ans Ijsselmeer.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":394,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-388","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/richardparker.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/388","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/richardparker.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/richardparker.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/richardparker.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/richardparker.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=388"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/richardparker.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/388\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":401,"href":"https:\/\/richardparker.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/388\/revisions\/401"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/richardparker.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/394"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/richardparker.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=388"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/richardparker.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=388"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/richardparker.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=388"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}