{"id":1297,"date":"2018-07-20T15:25:01","date_gmt":"2018-07-20T13:25:01","guid":{"rendered":"http:\/\/richardparker.ch\/?p=1297"},"modified":"2018-09-25T18:44:54","modified_gmt":"2018-09-25T16:44:54","slug":"nachtrag-nachrichten-aus-der-labrador-see","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/richardparker.ch\/?p=1297","title":{"rendered":"Nachtrag &#8211; Nachrichten aus der Labrador See"},"content":{"rendered":"<p>Die Blog Beitr\u00e4ge \u00fcber Satellit haben diesmal leider nicht funktioniert. Hier nun ein Nachtrag, der Vollst\u00e4ndigkeit halber und in umgekehrter chronologischer Reihenfolge<\/p>\n<p><strong>Mitten im Nirgendwo<\/strong><\/p>\n<p>Meine Wache, Vera schl\u00e4ft. Draussen steht die Sonne noch knapp \u00fcber dem Horizont und der Schwell bewegt das Schiff hin und her. Gerade noch ertr\u00e4glich.<!--more--><\/p>\n<p>Der Tag verlief z\u00e4h und die Nacht beginnt ebenso. Mit tr\u00e4gen 5 Knoten Fahrt schaukeln wir langsam gegen Gr\u00f6nland zu. Wir lassen Richard Parker kaum laufen, setzen nur wenig Segel und zum Bremsen ziehen wir zeitweise sogar ein langes Tau hinter uns her. Ja nicht zu schnell. Noch zwei N\u00e4chte m\u00fcssen&#8217;s sein. Wir wollen bei Tageslicht ankommen.<\/p>\n<p>Der Tag verlief ereignislos und die Nacht beginnt ebenso. Das Wetter, ungewohnt sanftm\u00fctig. Wenig Wind. Und wir schaukeln hin und her. Und in diesem Moment kommt Nebel auf, packt alles ein und selbst die weite Leere wird verschluckt und unsichtbar. Und ich starre auf den Radar. Nichts gibt&#8217;s zu sehen.<\/p>\n<p>Und \u00fcber uns klart es auf. Sterne leuchten, die Mondsichel ganz fein und schmal. Und ich bin froh.<\/p>\n<p>Labrador Sea<br \/>\n57\u00b019.69&#8217;N 049\u00b027.76&#8217;W<br \/>\nCOG 059\u00b0<br \/>\nSOG 5.1kn<br \/>\nWassertemperatur 6.5\u00b0<br \/>\nLuft 7\u00b0C (Im K\u00fchlschrank ist\u2019s bald w\u00e4rmer)<\/p>\n<p><strong>Noch 400 Seemeilen bis Gr\u00f6nland!<\/strong><\/p>\n<p>Es scheint, als h\u00e4tten wir Wettergl\u00fcck! Am Samstag sind wir in Labrador bei strahlendem Sonnenschein und mit einem Wetterbericht, der stetige Winde aus SW verspricht, nicht mehr als 6 Windst\u00e4rken und moderaten Seegang, abgelegt und Richtung Gr\u00f6nland losgesegelt. Und bis jetzt h\u00e4lt der Bericht, was er verspricht. Und sogar die Aktualisierungen zeigen weiterhin eine sehr gute Tendenz.<\/p>\n<p>Einen Drittel der Strecke haben wir schon zur\u00fcckgelegt und planen bereits unsere Ankunftszeit. Die wollen wir so legen, dass wir uns mit dem ersten Tageslicht am Mittwoch der K\u00fcste n\u00e4hern. Zwar hat es keine Eisfelder mehr, aber immer noch einzelne Eisberge und so genannte Growler. Kleinere Eisst\u00fccke, aber immer noch in der Gr\u00f6sse unseres Schiffes, die nur noch wenig aus dem Wasser herausragen und somit schwieriger zu erkennen sind. Die grossen Eisberge erkennen wir gut mit dem Radar. Das Ger\u00e4t warnt uns automatisch, sobald vor unserem Bug ein Radarecho auftaucht. Die kleinen aber, erkennt es nur unzuverl\u00e4ssig und daher braucht es immer jemand an Deck, der Ausguck geht.<\/p>\n<p>Die Gegend ist recht einsam, zu Beginn, entlang der K\u00fcste von Labrador, ein paar Eisberge, sp\u00e4ter zwei Fischerboote, jetzt nur noch ein paar M\u00f6wen und andere Seev\u00f6gel.<\/p>\n<p>Position am Sonntag, 15. Juli 2018, 1245 UTC<br \/>\n54\u00b043.37N 052\u00b045.53W<br \/>\nCOG 063\u00b0<br \/>\nSOG\u00b0 6.4kn<br \/>\nWassertemperatur 6.7\u00b0C<br \/>\nLuft 10\u00b0C<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Endlich wieder nordw\u00e4rts!<\/strong><br \/>\nEtwas harzig war\u2019s. Der Start in die letzte Etappe unserer Reise hat uns gefordert. Die ersten Wochen, ja fast zwei Monate, haben wir uns mehr mit Reparaturen und Ersatzteilen besch\u00e4ftigt, als mit dem Reisen selbst. Den Autopilot mussten wir ersetzen. Den Ersatzautopilot ebenfalls. Und bei den Testfahrten der diversen Autopiloten hatten wir dann auch noch bald mehr Getriebe\u00f6l in der Bilge als im Getriebe selbst gehabt. Zwar ist jedes einzelne Problem, technisch gesehen, einfach zu l\u00f6sen. Ein Ersatz Autopilot muss eingebaut und eine neue Dichtung zwischen Getriebe und Motor eingesetzt werden. Doch wo findet man qualifizierte Hilfe daf\u00fcr? Wo kriegen wir rasch die ben\u00f6tigten Ersatzteile her? Ist\u2019s wirklich n\u00f6tig, gleich alles zu ersetzen, k\u00f6nnen wir nicht reparieren oder gar einfach so belassen, weil\u2019s gar nicht so kritisch ist? Ist etwas \u00d6l in der Bilge nicht ganz normal? Doch wieviel ist normal? Und was, wenn alles pl\u00f6tzlich schlimmer wird und wir in Gr\u00f6nland oder irgendwo dazwischen sind?<\/p>\n<p>Es waren mehr diese Fragen, welche uns forderten, als die Reparaturen selbst. Klar, die Warterei auf die Ersatzteile brauchte Geduld und etwas Nerven. Und das Ersetzen der Dichtung war teilweise ein rechter Kraftakt, weil der Motor zuerst raus musste. Aber all die Fragen brauchten eine Antwort. Nur konnten wir diese uns nicht in allen F\u00e4llen, basierend auf unserer eigenen Erfahrung, geben. Und so mussten wir uns Antworten, zusammen gew\u00fcrfelt aus Erfahrungen anderer Segler, aus Internetforen, aus Telefonaten mit Lars von Breehorn, mit lokalen Mechaniker und aus dem Studium der Betriebs- und Servicehandb\u00fccher selber basteln. Diese Antworten galt es dann in Zusammenhang mit unserem Zeitplan, daraus folgenden Risiken bez\u00fcglich Wetter und Zeitdruck und m\u00f6glichen Alternativen abzugleichen und zu beurteilen.<\/p>\n<p>Schliesslich hatten wir aber wieder einen funktionierenden Autopilot und eine dichte Dichtung (was in diesem Falle kein Pleonasmus ist resp. gewesen war). Zudem auch gleich ein Leck in der K\u00fchlwasserleitung und ein weiteres zwischen Wassersammler und Auspuff repariert, welche davor, beim Test der neuen Dichtung, f\u00fcr Seewasser in der Bilge gesorgt haben<br \/>\nAls dann die Tage darauf, auch gleich gutes Wetter herrschte, nutzen wir die Chance und segelten in langen Schl\u00e4gen nach Norden, entlang der K\u00fcste von Newfoundland, durch die Strait of Belle Ile nach Labrador und nach nur einer Nacht Pause weiter \u00fcber die Labrador See nach Gr\u00f6nland. Knapp tausend Seemeilen in etwa einer Woche. Der Norden begleitet uns mit seiner ganzen Einzigartigkeit; Wale, Robben und Delfine, Eisberge, einmalige Landschaften, lange Tage mit fast unendlich strahlender Sonne, aber auch k\u00fchle Temperaturen, Stechm\u00fccken und undurchdringlicher Nebel.<\/p>\n<p>Nur ein Eisb\u00e4r, in sicherer Distanz, w\u00e4r noch das T\u00fcpfelchen auf dem i.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Blog Beitr\u00e4ge \u00fcber Satellit haben diesmal leider nicht funktioniert. Hier nun ein Nachtrag, der Vollst\u00e4ndigkeit halber und in umgekehrter chronologischer Reihenfolge Mitten im Nirgendwo Meine Wache, Vera schl\u00e4ft. Draussen steht die Sonne noch knapp \u00fcber dem Horizont und der Schwell bewegt das Schiff hin und her. 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